Der Umgang mit Wissen spielt in der Gesundheitsbranche (Life Sciences) eine große Rolle. Ein Teilbereich ist die Medizintechnik, mit ihren 100.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von ca. 18 Mrd EUR pro Jahr. Diese Zahlen sind in der Einleitung nachzulesen in Ergin, T. (2009): Wissensmanagement – Ein Leitfaden aus der Medizintechnik. Diese Unterlage ist aus dem Projekt Wiki-Med entstanden. Es passt dabei gut, dass sich dieses Projekt für die Medizintechnik fast ausschließlich mit dem Bereich Technologie im Wissensmanagement befasst. Doch ist dieser Bereich neben Mensch und Organisation nur ein Teil des Wissensmanagements. Der genannte Leitfaden ist eine Zusammenstellung von technischen Lösungen, die eine gute Grundlage für die Wissenskonstruktion bieten kann – nur: Ist das genug? Ich glaube nicht. Sucht man in der Datei beispielsweise nach dem Begriff „implizites Wissen“ oder auch nur „implizit“ erhält man keinen Treffer. Geht man von der individuellen Wissenskonstruktion aus und stellt man gerade die implizite Dimension des Wissens in den Mittelpunkt der Wertschöpfung, so greift dieser Leitfaden zu kurz. Ein Beispiel möchte ich noch hervorheben: Auf Seite 24 geht es um „Wissensbausteine“ die mit Hilfe des SCORM-Modells dargestellt werden können. Schon in meinem Konferenzbeitrag Freund, R. (2003): Mass Customization in Education and Training (ELearnChina 2003) habe ich dieses Vorgehen kritisiert und angedeutet, dass es zunächst einmal Inhalte sind, die mit Hilfe des SCORM-Modells strukturiert und konfiguriert werden können. Nur: Was hat das mit Wissen zu tun? Die Wissenskonstruktion, und hier gerade auch die implizite Dimension, kann mit technischen Lösungen unterstützt werden – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Siehe dazu auch Die implizite Dimension des Wissens, Wissenstreppe, Nicht-Wissende deutsche Ärzte, Wissensmanagement im toxikologischen Laboratorium, Wissensmanagement in der Medizin, Halbwissen in Weiss
Jahnke/Yalcin/Bauer (2006): Anreizsysteme zur Verbesserung der Wissensteilung in Unternehmen
Der Arbeitsbericht Jahnke/Yalcin/Bauer (2006): Anreizsysteme zur Verbesserung der Wissensteilung in Unternehmen geht auf einen wichtigen Aspekt beim Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft ein. Es ist das ´Zurückhalten von Wissen´ als Merkmal der Industriegesellschaft (Womack/Jones/Roos 1994). Im Umkehrschluss stellt sich die Frage, wie man die Wissensteilung verbessern kann. Zusammenfassung: „Mit dem Übergang der westlichen Industrienationen in eine Wissensgesellschaft ist das Wissen von Mitarbeitern als maßgeblicher Wettbewerbsfaktor identifiziert worden. Die gegenwärtige Forschung beschäftigt sich in diesem Bereich mit Fragestellungen, die für eine wirkungsvolle Steuerung dieser neuen Ressource von Bedeutung sind. Gegenstand dieser Arbeit ist es, das Problem der Wissensteilung zwischen Unternehmenseinheiten theoretisch zu demonstrieren und mögliche Lösungsansätze mit Hilfe von Anreizinstrumenten zu präsentieren. Dabei werden verhaltens- und motivationstheoretische Ansätze vorgestellt, mit deren Hilfe exemplarisch ein Anreizsystem für die Wissensteilung aufgebaut wird“. Gut finde ich auch den Hinweis auf die Erweiterung des Probst Modells durch den Begriff der Wissenskooperation bei den Kernaktivitäten (Seite 14, in Anlehung an Moder et al. 2004:229). Stärken und Schwächen verschiedener Anreizsysteme werden dargestellt und bieten eine gute Basis, einen unternehmensspezifischen Ansatz zu finden.

3sat Thementag, Lernen und Wissen
Am Sonntag, den 20.12.2009 gab es bei 3sat einen Thementag, der den Zuschauer um die ganze Welt führen sollte. Da wir ausgiebig und gerne Reisen, haben wir uns schon darauf gefreut, einige Orte wiederzusehen. Der Sonntag kam, wir schauten uns die ersten Sendungen an und trauten unseren Augen nicht, denn diese Beiträge waren teilweise über 10 Jahre alt. Ich schaute auf der entsprechenden Website nach und fand den Begriff „Erstaustrahlung“…, allerdings keine Jahresangaben. Eine Mail, die ich am selben Tag an die Redaktion sandte, wurde dann wie folgt am 22.12.2009 von Goggo Gensch (swr) beantwortet: „Sehr geehrter Herr Freund, vielen Dank für Ihre Zuschrift und das Interesse an unserem Thementag, die einzelnen Filme der Reihe ´Schätze der Welt – Erbe der Menschheit´ wurden alle zwischen 1995 und 2009 hergestellt, zum Teil wurden sie auch alle immer mal wieder bearbeitet und aktualisiert.“ Ist das nicht herrlich? Da senden die Bezieher unserer Rundfunkgebühren alte Konserven, ohne die entsprechende Jahreszahl gleich am Anfang einer Sendung zu zeigen. Zuschauer erhalten also sehr alte Daten und Informationen zu den Ländern. Daraus konstruieren die Zuschauer dann ihr Wissen über diese Nationen (Siehe Wissenstreppe). Kein Wunder also, dass die meisten Deutschen ganz falsche Vorstellungen von anderen Ländern haben. Der Beitrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zur Wissensgesellschaft muss sein, Daten und Informationen mit Quellenangabe gleich am Anfang des Beitrags zur Verfügung zu stellen. Noch besser wäre es, wenn in der Sendung permanent die Quelle angezeigt würde. Aber wer will das schon? Man würde als Fernsehzuschauer wohl merken, dass das heutige Fernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen Fersehanstalten (treffender Begriff) häufig darin besteht, „Konserven“ zu senden. Man fragt sich natürlich, was die Sender mit unseren Beiträgen machen. Doch, wer will das schon so genau wissen?
Tochtermann, K.; Schachner, W. (2009): Wissensmanagement im Prozessmanagement
Die Studie Tochtermann, K.; Schachner, W. (2009): Wissensmanagement im Prozessmanagement „(…) liefert konkrete Hinweise auf die speziellen Anforderungen von und Erfolgsfaktoren für Wissensmanagement aus Sicht des Prozessmanagements“. Zu beachten ist, dass die Basisstudie mit 100 Experten und die vertiefende Studie mit 18 Prozessmanagement-Experten österreichischer Unternehmen durchgeführt wurde. Wissensmanagement im Kontext des Prozessmanagements zu betrachten macht Sinn, da Wissen immer situiert ist und sich daher der Bezug zu den Prozessen im Unternehmen anbietet. Es freut mich auch zu lesen, dass die zentrale Rolle des Menschens bei der Wissenskonstruktion und im Wissensmanagement herausgestellt wird. Der Bezug zum Modell von Probst wird aus meiner Sicht leider etwas zu unkritisch angenommen. Bei den Fragen zu den Efolgsfaktoren verwenden die Autoren das EFQM-Modell. Für Unternehmen in Deutschland kann man zur Bestimmung der Erfolgsfaktoren auch den Zukunftscheck Mittelstand heranziehen, der dann zur Wissensbilanz – Made in Germany führt. Die Wissensbilanz – Made in Germany hat noch den Vorteil, dass die Wirkungszusammenhänge der Erfolgfaktoren transparent werden, wodurch sich Prioritären für das gesamte Wissenssystem ableiten. Siehe dazu auch Bitcom (2009): Wissensmanagement Prozess-Systematik, Schilcher (2006): Die implizite Dimension des Wissens und ihre Bedeutung für betriebliches Wissensmanagement, Intellektualistische Legende, Schreyögg/Geiger (2003): Kann die Wissensspirale Grundlage des Wissensmanagements sein?
Beim ´Zukunftsscoring´der Commerzbank erhalten weiche Faktoren mehr Bedeutung
In dem Artikel Commerzbank bittet Kunden zum Zukunfts-Check (Handelsblatt vom 25.12.2009) liest man Erstaunliches: „Damit zieht ein neues Denken ein: Nicht mehr allein harte Fakten wie aktuelle Jahresabschlüsse, Kostenstrukturen und Controllingsysteme seien für eine Kreditentscheidung wichtig, (…). Derart weiche Faktoren können bis zu 30 Prozent des Ratings ausmachen.“ Herr Hermann von der Mittelstandsbank der Commerzbank kündigt an, dass man nun ein „Zukunftsscoring“ durchführen wird. Chris Löwer (Autor des Artikels im Handelsblatt) benutzt in der Überschrift den Begriff „Zukunfts-Check“, möglicherweise in Anlehnung des kostenfrei verfügbaren Zukunftscheck Mittelstand, der letztendlich zur Wissensbilanz – Made in Germany führt? Diese Zusammenhänge sind Herrn Löwer vermutlich unbekannt. Durch ein wenig Recherche vom warmen Redaktionsstuhl aus, hätte man diese Hinweise auch finden können – nur: Wer will das schon?
Warum es sich lohnt, Wissen und Lernen steuerlich zu fördern
Der Kurzbericht Cedefop (2009): Warum es sich lohnt, Wissen und Lernen steuerlich zu fördern macht deutlich: „Intellektuelles Kapital schafft Wohlstand. Häufig sind Wissen und Expertise eines Unternehmens wertvoller als dessen Sachanlagen wie Fertigungsgebäude und Maschinenparks. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) bieten steuerliche Anreize unterschiedlichster Art, die den Einzelnen und die Unternehmen zu Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung anregen sollen.“ Die aktuellen steuerlichen Anreize und die politischen/rechtlichen Rahmenbdeingungen sind allerdings immer noch zu sehr auf die klassischen Ressourcen der industriell geprägten Gesellschaft augerichtet. Die Realität ist allerdings schon weiter. Viele Menschen spüren, dass dieser Staat nicht mehr viel mit ihrem realen Leben zu tun hat, im Gegenteil: Der Staat blockiert in manchen Bereichen sogar die Entwicklung seiner Bürger. Es wird Zeit, dies zu ändern. Siehe dazu auch Wissensbilanz – Made in Germany
Semesterarbeit an der FHS St. Gallen zu Robert Freund Weblog
Herr Luca Haubensak hat an der Fachhochschule St. Gallen eine Semesterarbeit zu Robert Freund Weblog geschrieben, und diese am 14.12.2009 eingereicht (Seite V): „Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, das sich Auseinandersetzen mit einem Weblog und dem damit verbundenen Verständnis für Social Software. Dies geschieht hier anhand des Robert Freund Weblog.“ Als mich Herr Haubensak vor einiger Zeit darauf ansprach, war ich ein wenig überrascht, dass sich jemand von der FHS St. Gallen in der Schweiz meinen Weblog genauer ansehen wollte. Gerne stellte ich die gewünschten Informationen zur Verfügung und war gespannt, was Herr Haubensak so alles herausfinden würde. Nun liegt mir die Arbeit vor. Ganz besonders habe ich mich natürlich über das Ergebnis gefreut: „Zusammenfassend ist dieses Weblog höchst informativ und intuitiv aufgebaut, und somit ohne wesentliche Einschränkungen weiterzuempfehlen“. Siehe dazu auch Robert Freund Weblog gehört zu den 10 wichtigsten Weiterbildungsblogs in Deutschland (Platz 6, w&v)
Wissensbilanz – Made in Germany für den Kreis Ortenau

Die Wissensbilanz – Made in Germany ist vor allem als wichtiges Steuerungsinstrument für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) gedacht. Dennoch kann man die Wissensbilanz – Made in Germany auch für die Steuerung des Intellektuellen Kapitals in Landkreisen nutzen.
Die regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaften sind immer noch zu sehr auf die klassischen Ressourcen fokussiert und entdecken erst langsam das Intellektuelle Kapital ihrer Region. Humankapital, Strukturkapital und Beziehungskapital gilt es zu fördern und zu nutzen.
Der Kreis Ortenau hat nun gezeigt, dass es von Vorteil ist, eine Wissensbilanz – Made in Germany für den Kreis Ortenau zu erstellen. Informationen erhalten Sie unter https://nectanet.de/.
Siehe dazu auch RICARDA. Es wäre zu begrüßen, wenn weitere Landkreise und Kommunen eine Wissensbilanz – Made in Germany erstellen würden, damit das durchaus vorhandene Intellektuelle Kapital besser gefördert werden kann.

Wissensbilanz – Made in Germany gastiert am 11.02.2010 in Hannover
Am 11.02.2010 gastiert die Roadshow Wissensbilanz – Made in Germany im Haus der Region Hannover. Auf dem Programm stehen: Eine theoretische Einführung in das Strukturmodell der Wissensbilanz – Made in Germany, zwei Praxisbeispiele und ein Beitrag zur Wissenswerkstatt (Einladungsflyer). Es lohnt sich also wieder einmal, an der kostenfreien Veranstaltung teilzunehmen. Möglicherweise treffen wir uns in Hannover. Ich werde die Roadshow moderieren.
wiwo: 99 Internet-Programme, die das Leben erleichtern (sollen)
Jochen Mai und Sebastian Matthes haben 99 Internet-Programme, die das Leben erleichtern (wiwo, 14.11.2009) zusammen gestellt. Es schadet bestimmt nicht, wenn man sich solcher durchaus hilfreicher Tools bedient, um das Daten- bzw. Informationsmanagement zu verbessern. Dennoch: A fool with a tool is still a fool. Es kommt eben darauf an, diese Werzeuge intelligent und der Situation (Kontext) angemessen anzuwenden, um die Wissenskonstruktion zu ermöglichen (Siehe Wissenstreppe). An dieser Stelle sind Sie gefragt. Wählen Sie also gezielt aus, denn wenn Sie alle in dem Artikel genannten Programme ausprobieren wollen, ist das eher kontraproduktiv. Siehe dazu auch diesen Blogbeitrag.
